28.09.2017

„Zukunft des Zuckermarktes nach der Quote“ – Politischer Abend des BDSI in Brüssel

© Verena Günther/BDSI; V.l.n.r.: Klaus Reingen, BDSI; Thies Holtmeier, DNZ; Dr. Jens Schaps, EU-Kommission; Stephan Nießner, BDSI; Dr. Sven Freitag, Landesvertretung Schleswig-Holstein

Am 27.09.2017 lud der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e. V. (BDSI) gemeinsam mit der Vertretung der Freien und Hansestadt Hamburg und des Landes Schleswig-Holstein zu seinem jährlich stattfindenden Politischen Abend „Süßwaren im Dialog – Brussels meets sweets“ in die Räumlichkeiten des Hanse-Office in Brüssel ein. Thema war in diesem Jahr die Zukunft des europäischen Zuckermarktes nach dem Ende der Quote.

Dr. Sven Freitag, Referent für Landwirtschaft bei der Landesvertretung Schleswig-Holstein bei der Europäischen Union begrüßte den breit angelegten Diskurs der BDSI-Veranstaltung. Er verdeutlichte, dass mit dem Auslaufen des Quotensystems der EU-Zuckermarktordnung am 30.09.2017 ein neues Kapitel in der Agrarpolitik beginnt.

Auf dem Podium diskutierten kontrovers:

·         Stephan Nießner, Vorsitzender des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie e.V.

·         Dr. Jens Schaps, Director Markets and Observations, GD AGRI, EU-Kommission

·         Thies Holtmeier, Vorstandsmitglied des Dachverbands Norddeutscher Zuckerrübenanbauer e.V.

Stephan Nießner, Vorsitzender des BDSI, begrüßte das Auslaufen des planwirtschaftlichen Quotensystems für Zucker. Die sichere Versorgung mit qualitativ hochwertigem Zucker zu wettbewerbsfähigen Preisen ist für die deutsche Süßwarenindustrie von oberster Priorität. Auch nach dem Ende der Zuckerquote setzt sich die deutsche Süßwarenindustrie für eine nachhaltige Versorgung und deshalb für mehr Wettbewerb am europäischen Zuckermarkt ein. Nach Einschätzung des BDSI ist die Absenkung des Importzolls für Zucker ein längst überfälliger nächster Schritt. Ab 01.10.2017 werden europäische Zuckerexporte unbeschränkt möglich sein, die Zuckereinfuhren sollen aber weiterhin durch hohe Zölle stark eingegrenzt bleiben. „Oberstes Ziel der künftigen Marktpolitik muss es sein, dauerhaft Zuckerengpässe für die Lebensmittelwirtschaft zu vermeiden. Daher ist eine angemessene Senkung des Außenschutzes alternativlos“, sagt Stephan Nießner.

Dr. Jens Schaps von der EU-Kommission betonte, dass die Zuckerversorgung auch nach dem Auslaufen der Zuckerquote ein wichtiger Produktionszweig im Ackerbau bleibe. Der europäische Rübenanbau sei zukunftsfähig, flexibel, international wettbewerbsfähig und liefere zuverlässig Zucker höchster Qualität. Insbesondere für die für den Rübenanbau klimatisch begünstigen Standorte in Frankreich, Deutschland und Polen erwartet die EU-Kommission eine Ausweitung der Zuckerproduktion nach dem Wegfall des Quotensystems. Hierdurch eröffneten sich Rübenanbauern, aber auch der Zuckerindustrie neue Chancen, zumal nach dem Quotenwegfall unbeschränkt Zucker auf dem Weltmarkt verkauft werden dürfe. „Der Wegfall der Zuckerquote ist sehr gut vorbereitet. Alle Wirtschaftsbeteiligten hatten zehn Jahre Zeit, sich darauf einzustellen und sie haben diese Zeit genutzt“, sagte Dr. Schaps.

Thies Holtmeier betonte, dass der Zuckerrübenanbau in Deutschland in den Bereichen Umwelt- und Sozialstandards weltweit führend sei. Das habe seinen Wert – und seinen Preis. Mit dem Wegfall des Quotensystems müsse Zucker aus heimischem Rübenanbau nun mit Weltmarktzucker konkurrieren. Gleichzeitig erhielten immer mehr Drittländer Einfuhrkontingente für Rohrzucker in den europäischen Markt. Holtmeier forderte faire Wettbewerbsbedingungen, damit der heimische Zucker gegen die häufig staatlich subventionierte Konkurrenz aus außereuropäischen Ländern bestehen könne. Auch der derzeitige Außenschutz sollte erhalten bleiben, da er den europäischen Binnenmarkt vor unfairen Praktiken und Subventionen anderer Erzeugerländer schütze. „In der Europäischen Union gelten hohe Umwelt- und Sozialstandards. Deswegen ist Zucker aus heimischem Rübenanbau nicht zum Weltmarktpreis zu bekommen“, so Holtmeier.

Die Podiumsdiskussion moderierte in bewährter Weise der bekannte Wirtschaftsjournalist Hajo Friedrich.

In seinem Schlusswort betonte Klaus Reingen, Hauptgeschäftsführer des BDSI, nochmals die Forderung des BDSI an die EU-Kommission, Freihandelsabkommen so zu verhandeln, dass sie den Marktzugang für Exporte der europäischen Süßwarenindustrie erleichtern.