Sonderabgabe auf Kakao aus Westafrika: Preisaufschläge müssen bei den Kakaobauern ankommen

©BOULENGER Xavier/Shutterstock

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Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e.V. (BDSI) steht einer Sonderabgabe auf Kakao aus Westafrika zur Verbesserung der Einkommen im Kakaosektor grundsätzlich positiv gegenüber. Entscheidend ist jedoch, dass diese auch zwingend den Kakaobäuerinnen und Kakaobauern und ihren Familien zu Gute kommt und für die notwendige Transformation des Kakaosektors genutzt wird.

Ab Oktober 2020 verlangen Ghana und die Elfenbeinküste, die mehr als 60 Prozent des weltweiten Kakaos produzieren, einen Extra-Aufschlag von 400 Dollar pro Tonne Kakao, das so genannte Living Income Differential. Diese Initiative der ivorischen und ghanaischen Regierung ist eine politische Maßnahme, um einen höheren und stabileren Preis für Kakaoproduzenten und -produzentinnen zu erreichen und das Gesamteinkommen der Bauernfamilien maßgeblich zu steigern. Missbräuchliche Kinderarbeit als ein Ergebnis der Armut soll damit ebenfalls zurückgehen.

„Der BDSI trägt die Zielsetzung der Regierungen von der Elfenbeinküste und Ghana mit, die Einkommen der Bauern mit dieser Sonderabgabe auf Kakao zu verbessern. Allerdings muss zwingend sichergestellt werden, dass die Preisaufschläge tatsächlich bei den Kakaobauern – und nur dort – ankommen und nicht für andere Maßnahmen verwendet werden“, erläutert Aldo Cristiano, Vorsitzender der Fachsparte Schokoladewaren im BDSI. „Auch darf dieses Mindestpreiskonzept nicht isoliert betrachtet werden. Zielführend sind auf lange Sicht allein eine ganzheitliche Agrarpolitik und eine gute Verwaltungspraxis in den Anbauländern. Ansonsten droht eine weitere Überproduktion auf dem Weltmarkt, die zu sinkenden Kakaopreisen führen könnte. Die erwünschte Einkommenssteigerung der Kleinbauern wäre dann dahin“, so Cristiano weiter.

Die deutsche Süßwarenindustrie hat sich das Ziel gesetzt, einen bedeutenden Entwicklungsbeitrag zu leisten und das Leben der an der Kakaoproduktion beteiligten Menschen in den Anbauländern zu verbessern. Die Zertifizierung ist dabei ein wichtiger Baustein für die Entwicklung eines nachhaltigeren Kakaosektors.

In den wichtigsten Zertifizierungsstandards von Fairtrade und Rainforest Alliance/UTZ werden strenge Anforderungen an die Verhinderung von missbräuchlicher Kinderarbeit gestellt. Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die Mitglieder in Fairtrade- bzw. Rainforest Alliance-Kooperativen sind, verfügen meist über höhere und auch stabilere Einkommen.

Im Jahr 2019 erreichte der Anteil an nach Nachhaltigkeitsstandards zertifiziertem Kakao in den in Deutschland verkauften Süßwaren 72 % – so das Ergebnis der letzten Erhebung des BDSI bei seinen Mitgliedsunternehmen. Bei der ersten Erhebung des BDSI für das Jahr 2011 lag dieser Anteil bei nur ca. 3 %.

Viele deutsche Süßwarenhersteller haben zudem eigene Projekte und Programme gestartet, die Landwirte und ihre Gemeinden in die Lage versetzen, ihr Einkommen zu verbessern, produktiver und klimaresistenter zu werden, die Umwelt zu schützen und die Entwaldung zu bekämpfen sowie die Rechte der Menschen in der Lieferkette zu respektieren. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit allen Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette.

Weiterhin engagiert sich der BDSI intensiv im „Forum Nachhaltiger Kakao“, einer 2012 gegründeten Gemeinschaftsinitiative. Neben Mitgliedern aus der Schokoladen- und Süßwarenindustrie sowie des Lebensmittelhandels setzen sich in dieser Organisation unter anderem auch die Bundesregierung, Nicht-Regierungsorganisationen und standardsetzende Vereinigungen ein.

Die Pressegrafik zum Anteil nach Nachhaltigkeitsstandards erzeugten Kakaos in den in Deutschland verkauften Süßwaren finden Sie unter: www.bdsi.de/zahlen-fakten/kakao-und-schokoladewaren/.

Weiterführende Informationen zur Nachhaltigkeitsinitiative des BDSI im Kakaosektor finden Sie hier.

Weiterführende Informationen zum Forum Nachhaltiger Kakao finden Sie unter:

www.kakaoforum.de

 

Zum Hintergrund:

Der Kakaoanbau ist für über 5,5 Millionen Bäuerinnen und Bauern in Entwicklungsländern eine wesentliche Einnahmequelle und sichert insgesamt den Lebensunterhalt von über 14 Millionen Menschen. In den westafrikanischen Hauptanbaugebieten in der Elfenbeinküste und Ghana wird Kakao zu 90 Prozent in kleinbäuerlichen Betrieben auf weniger als 5 Hektar angebaut.

Die Herausforderungen sind vielfältig: Zahlreiche Kakaobauernfamilien leben in Armut, missbräuchliche Kinderarbeit ist in Westafrika in allen Wirtschaftszweigen weit verbreitet, viele Kakaobäume sind überaltert und somit anfällig für Schädlinge und Krankheiten. Hierunter leidet die Produktivität. Zudem wandern immer mehr junge Menschen in die Slums der Großstädte ab, weil sie keine Zukunft im Kakaoanbau sehen.

Der Kakaopreis war in den letzten Jahrzehnten auf dem Weltmarkt immer starken Schwankungen unterworfen. Hohe Preise haben den Anbau für viele Farmer in Westafrika so attraktiv gemacht, dass sie sehr zahlreich in den Kakaoanbau eingestiegen sind. Die Folge war eine Überproduktion und ein daraus resultierender Verfall des Kakaopreises. Jetzt versuchen die beiden westafrikanischen Staaten mit ihrer gemeinsamen Initiative und mit dem Living Income Differential (LID) dem entgegenzusteuern.

In westafrikanischen Kakaoanbauländern werden häufig Menschenrechte nicht eingehalten, auch wenn diese Länder die entsprechenden internationalen Konventionen unterzeichnet haben. Es gibt keine ausreichenden staatlichen Kontrollen oder Verstöße werden nicht hinreichend verfolgt.

Bei den vielfältigen Aktivitäten der deutschen Süßwarenindustrie für einen nachhaltigeren Kakaoanbau stehen die Professionalisierung des Kakaoanbaus und eine damit einhergehende Verbesserung der Lebensverhältnisse der Kleinbauern und ihrer Familien, insbesondere in Westafrika, im Vordergrund. Zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise gehören vor allem gute Anbaupraktiken und der verantwortungsbewusste Umgang mit natürlichen Ressourcen sowie vor allem Arbeitspraktiken, die weder Kinder noch Erwachsene ausbeuten.

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