Überblick Ernährungspolitik

Die Position des BDSI kurz gefasst:

  • Übergewicht hat viele Ursachen. Sich bei der Prävention und Verminderung auf nur eine Facette wie die Ernährung oder gar den Süßwarenkonsum zu fokussieren, ist erwiesenermaßen nicht zielführend. Es bedarf aus Sicht des BDSI gesamtgesellschaftlicher Anstrengungen, um die Menschen von klein auf mit Handlungskompetenzen in allen Lebensbereichen vertraut zu machen. Verbote von oder Warnungen vor dem Verzehr einzelner Lebensmittel u. ä. sind Scheinlösungen. Erfolgversprechender als bevormundende Ansätze ist eine positive Anleitung zu einem gesundheitsförderlichen Lebensstil.
  • Mit der deutschen Plattform Ernährung und Bewegung (peb) wurde zu Recht ein integrierter Weg bei der Prävention von Übergewicht eingeschlagen. Der BDSI unterstützt peb als aktives Mitglied und fordert, dass die deutsche Platt­form Vorbild für Ansätze zur Übergewichtsprävention und -eindämmung in Europa sein sollte und ihr eine zentrale Funktion bei der Regierungsinitiative IN FORM zukommt.
  • Werbung ist ein unverzichtbares Element der freien Marktwirtschaft. Sie dient der Information des Verbrauchers und ist eine existenzsichernde Basis für freie und unabhängige Medien. Werbung für Lebensmittel einzuschränken oder gar zu verbieten, um Übergewicht zu bekämpfen, verfehlt das Ziel. Denn: Die Ent­stehung von Übergewicht ist ein komplexes Geschehen, an dem unter anderem sozioökonomische Faktoren, Bewegungsmangel, unausgewogene Ernährung, genetische Veranlagung sowie psychosoziale Aspekte beteiligt sind. Lebens­mittelwerbung gegenüber Kindern ist bereits heute durch zahlreiche gesetz­liche Regelungen und freiwillig auferlegte Selbstbeschränkungen ausreichend geregelt. Kinder vor Werbung abzuschirmen, ist nicht der richtige Weg, denn sie ist Teil ihres Alltags. Aus Sicht des BDSI sind Initiativen zur Vermittlung von Medien- und Werbekompetenz bei Kindern und Jugendlichen unabdingbar.
  • Die Süßwarenindustrie bietet eine große Vielfalt unterschiedlicher Produkte an. Sie begreift sich wandelnde Verbraucherwünsche als Chance, entwickelt das Produktangebot stetig fort und reagiert auf neue Bedürfnisse/Erkenntnisse. Neben den klassischen, traditionellen Produkten, die seit Jahren erfolgreich am Markt sind und unverändert bestehen bleiben dürfen müssen, gibt es eine Reihe von Varianten mit reduziertem Zucker-, Fett- bzw. Salzgehalt, gluten- und laktosefreie Erzeugnisse sowie weitere innovative Produkte. Süßwaren, Knabberartikel und Speiseeis gibt es zudem in den unterschiedlichsten Portions- bzw. Verpackungsgrößen, darunter auch viele kleine und wieder­verschließbare Verpackungen. Die Entwicklung von Rezepturen liegt in der Selbstverantwortung der Unternehmen, in die nicht gesetzlich eingegriffen werden darf.
  • Die Lebensmittelinformations-Verordnung (LMIV) stellt – zusätzlich zu den seit Jahrzehnten bekannten Angaben in den Zutatenlisten – für den Verbraucher ein hohes Maß an Produkttransparenz hinsichtlich Energie und enthaltener Nähr­stoffe wie Kohlenhydrate, Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren, Eiweiß und Salz sicher. Hilfestellungen, die dem Verbraucher zusätzlich zu dieser verpflichten­den Nährwertkennzeichnung gegeben werden, müssen wissenschaftsbasiert und verständlich sein. Das durch die LMIV vorgesehene Referenzmengen-Modell, das ergänzend freiwillig zur Nährwerttabelle auf der Verpackungs­vorderseite angegeben werden kann, gewährleistet dies. Dagegen sind bewer­tende und nicht wissenschaftsbasierte Kennzeichnungssysteme – wie eine „Ampelkennzeichnung“ – abzulehnen.
  • Nährwertprofile sind nach der Verabschiedung der europäischen LMIV nicht mehr erforderlich. Die LMIV regelt bereits umfassend alle für Verbraucher not­wendigen Angaben. Daher ist die EU-Kommission aus Sicht des BDSI auch nicht mehr verpflichtet, Nährwertprofile zu erlassen. Außerdem sind diese wissen­schaftlich nicht begründbar, sondern politisch motiviert, verfehlen ihr Ziel, werden einer juristischen Überprüfung nach Meinung von Experten nicht standhalten, sind eine Innovationsbremse und stigmatisieren Traditionsprodukte.

Das vollständige Positionspapier können Sie hier herunterladen.

Stand: August 2018