Kaugummi

Kaugummi
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Beschreibung

Unter den Zuckerwaren ist der Kaugummi etwas Besonderes: Man genießt ihn zunächst wie jede andere geschmacksintensive Zuckerware auch, bis nur noch ein plastischer, geschmacksfreier Anteil zurückbleibt, der aus Lust am Kauen weiter im Mund bewegt wird. Diese Kaugummimasse ist jedoch nicht zum Verzehr bestimmt, sondern wird schließlich aus dem Mund entfernt. Dies rührt daher, dass in jedem Kaugummi eine unlösliche Komponente enthalten ist, eben die sogenannte Kaugummimasse. Aus dieser kaut man den eingearbeiteten Zuckeranteil heraus, wobei sie durch Aufnahme von Speichel deutlich aufquillt. Zu unterscheiden ist Kaugummi vom Ballonkaugummi ("chewing gum" mit rein plastischer Masse und "bubble gum" mit elastischer Masse). Der Ballonkaugummi ist wie ein Luftballon aufblasbar und ist deswegen bei Kindern besonders beliebt. Weitere Varianten sind die Streifenkaugummis in der charakteristischen Blockpackung sowie die verschiedenen dragierten Kaugummiartikel. Letztere sind bekannt als die typischen Kaugummikissen, aber natürlich auch als Kaugummikugeln in Automaten. Daneben gibt es verschiedene Artikel mit Spielzeugcharakter.

Zusammensetzung

Wie bei allen Zuckerwaren besteht Kaugummi zur Hauptsache aus Zuckerarten (vornehmlich Saccharose) oder bei zuckerfreien Artikeln aus Polyalkoholen (hauptsächlich Sorbit und Xylit). Zur Geschmacksgebung werden nach US-amerikanischem Vorbild vor allem Pfefferminzöle eingesetzt. Aber auch Fruchtversionen mit Genusssäuren sind beliebt. Die Kaugummibase (circa 15 bis 18 %), also das eigentliche "Kaugummi", hat eine komplexe Zusammensetzung: Neben konsistenzgebenden Stoffen wie Synthese- und vereinzelt Naturkautschuk enthält sie Weichmacher wie Wachse und Harze sowie Füllstoffe wie Calciumkarbonat (Kreide), Silikate oder Zellulose. Die Aufblasbarkeit wird durch die Veränderung des Verhältnisses von Gummi zu Wachs erreicht. Selbstverständlich sind alle Inhaltsstoffe gemäß den Bestimmungen des Deutschen Lebensmittelrechts für den menschlichen Organismus verträglich. Deshalb muss man sich keinerlei Sorgen machen, wenn man einmal einen Kaugummi heruntergeschluckt hat.

Herstellung

Technologisch ist die Kaugummiherstellung ein reiner Knetprozess. Der Hauptanteil, die feinvermahlenen Zuckerstoffe, werden fast trocken verarbeitet. Abgesehen von wenigen Großbetrieben wird die Kaugummimasse wie andere Rohstoffe von den Kaugummiherstellern fertig zubereitet eingekauft. Sie wird durch Erwärmung plastifiziert, um sie in das Zuckerstoffgemisch einzuarbeiten. Die danach entstehende Zähigkeit der Masse macht sehr stabile Kneterkonstruktionen erforderlich. Durch Beheizung der Kneterwandung, aber auch durch die Reibung, entwickelt sich eine Temperatur von zirka 60° C. Nach und nach werden am Ende die geschmacks- und farbgebenden Stoffe eingemischt. Die warme Masse wird nun entweder dünn ausgewalzt und durch Längs- und Querschnitt auf das übliche Maß von 70 mal 20 mm für die Streifenware gebracht oder durch Extruder (Strangpressen) zu Bändern sowie Rundsträngen ausgeformt. Diese werden nach Vorkühlung dann in Schneid- und Wickelmaschinen, im Prinzip wie Weichkaramellmasse, verarbeitet. Vielfach wird Kaugummimasse auch in Dragéekesseln mit Zuckerstofflösungen hartdragiert. Auf diese Weise entstehen die bekannte Kissenware und Kugeln.

Geschichtliches

Kauen auf formbaren Substanzen scheint ein menschliches Urbedürfnis zu sein. Bekannt ist, dass bereits die Griechen im Altertum gern auf Mastix, dem Harz des Mastixbaumes, gekaut haben. Vorläufer von Kaugummi waren die mit den Zähnen zerfaserbaren Süßholzwurzeln und Guttapercha. Kaugummi, wie wir ihn heute kennen, entstand in den USA, nachdem der getrocknete Latexsaft (Chicle) des mittelamerikanischen Sapotillbaumes in größerer Menge zur Verfügung stand. Erst nachdem dieses Naturgummi knapp wurde, sind synthetische Gummistoffe verwendet worden (zum Beispiel Vinyl- und Butadienpolymere). Kau- und Ballongummi ist heute quasi zum Mythos geworden.