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Pressemeldung



Wirtschaft und Produktion

04.03.2010:

Herausforderungen für die Süßwarenindustrie 2010: Lebensmittelkennzeichnung sinnvoll gestalten – Spekulationsblase im Kakaomarkt

© BDSI 2010
Die deutsche Süßwarenindustrie steht 2010 nicht nur durch von Spekulanten getriebene Rohstoffmärkte, sondern auch durch die Brüsseler Gesetzgebung vor großen Herausforderungen. Völlig praxisferne und überbordende Anforderungen durch die geplante EU-Lebensmittelinformationsverordnung sowie das immer noch weiter verfolgte Konzept der Nährwertprofile bereiten der Branche Sorgen.

Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) fordert zum laufenden Gesetzgebungsverfahren zur EU-Lebensmittelinformationsverordnung, dass die Lebensmittelkennzeichnung sinnvoll und machbar gestaltet wird.

"In dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit ist es wichtig, dass Brüssel Verbraucherpolitik mit Augenmaß und wissenschaftlichem Sachverstand betreibt, damit die meist mittelständischen Betriebe nicht ohne Not zusätzlich bürokratisch belastet werden", fordert der BDSI-Vorsitzende Dr. Dietmar Kendziur.

Eine Herkunftskennzeichnung der Hauptzutat bei Lebensmitteln, wie von Verbraucherorganisationen gefordert, ist für Süßwaren und generell für zusammengesetzte Produkte undurchführbar. Aufgrund unterschiedlich ausfallender Ernten, z. B. bei Weizen oder Mandeln, ist die Verfügbarkeit von Rohstoffen häufig begrenzt, so dass verschiedene Herkunftsländer und Lieferanten von den Herstellern in Anspruch genommen werden müssen. Ob der Zucker in Süßwaren oder das Mehl im Gebäck aus Deutschland, Frankreich oder Dänemark kommt, ist für den Verbraucher ohne Belang. Der Hersteller müsste aber jedes Mal die Kennzeichnung ändern und das vorhandene Verpackungsmaterial als Müll entsorgen, nur weil er den Lieferanten gewechselt hat. Sinn macht eine solche Herkunftskennzeichnung allenfalls bei unverarbeiteten Produkten.

Auch die so genannten Nährwertprofile aus der Claims-Verordnung werden im Rahmen der Beratungen zur Lebensmittelinformationsverordnung im EU-Parlament diskutiert.

Diese immer noch geplanten "Lebensmittelsteckbriefe" lehnt der BDSI ab. Sie sollen die Grundlage für die Entscheidung bilden, ob Angaben zum Nährwert oder zur Gesundheit gemacht werden dürfen. "Die Wiederholung der Forderungen nach einem nicht wissenschaftlich basierten Konzept macht diese Forderungen nicht richtiger", so Dr. Dietmar Kendziur, Vorsitzender des BDSI.

"Ernährungsexperten sprechen sich gegen das Konzept der Nährwertprofile aus. Denn aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist nicht die Bewertung einzelner Lebensmittel für einen gesunden Lebensstil entscheidend, sondern die Bewertung der Gesamternährung eines Menschen und auch des gesamten Lebensstils." Auf dieser Erkenntnis beruht auch die sog. Ernährungspyramide der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die Ernährungsempfehlungen für die Verbraucher gibt.

Eng verbunden mit den Nährwertprofilen ist die Ampelkennzeichnung auf Lebensmittelverpackungen. Sie ist genauso wenig sinnvoll und auch nicht wissenschaftlich fundiert. Sie setzt ebenfalls fälschlicherweise bei einzelnen Nährstoffen in einem einzelnen Lebensmittel an, statt die Gesamternährung zu berücksichtigen. Die Grenzen einer Farbeinteilung der Nährstoffgehalte in Lebensmitteln sind wissenschaftlich nicht zu ziehen. Für den Verbraucher bringt diese Kennzeichnung keine sinnvolle Orientierung, sondern führt in die Irre. Auch dies bestätigen Ernährungswissenschaftler und die DGE. Zurecht lehnt die deutsche Bundesregierung daher eine Ampelkennzeichnung ab.


Spekulationen im Kakaomarkt belasten Süßwarenhersteller

Der BDSI verurteilt, dass wegen der Finanzkrise Banken und Fonds spekulativ in Agrarrohstoffe investieren, die die Lebensmittelindustrie für ihre Produktion benötigt.

Für Süßwarenhersteller, die Kakao in ihren Produkten verarbeiten, ist der hohe Kakaopreis von derzeit etwa 2.500,- € problematisch. Während der Rohstoff so teuer ist wie seit 30 Jahren nicht mehr, ist durch den Preiswettbewerb im deutschen Lebensmitteleinzelhandel die Weitergabe dieser Kostensteigerungen für die mittelständisch geprägte Branche schwierig. Diese "Zangenbewegung" setzt viele Süßwarenhersteller unter Druck. Grund für die Kakaopreissteigerungen sind in erster Linie Spekulationen von institutionellen Geldanlegern, die den Lebensmittelrohstoff als lukratives Investitionsobjekt in Zeiten der Finanzkrise entdeckt haben. Dies könnte jedoch ein jähes Ende finden. Denn bei etwa konstanter Weltkakaoernte ist die Nachfrage nach den Endverbraucherprodukten wie Schokolade weltweit rückläufig. "Alle fundamentalen Daten deuten darauf hin, dass die Kakaorohstoffblase bald platzen sollte," so die Meinung des Kakaoexperten Hermann Hauertmann.

Zum wirtschaftlichen Hintergrund:

Im Jahr 2009 hat die deutsche Süßwarenindustrie sich vergleichsweise gut behauptet mit einem moderaten Rückgang der Produktionsmenge im Vergleich zum Vorjahr auf 3,57 Mio. t (- 2,3 %) bei einem Umsatzrückgang auf 12,2 Mrd. € (- 0,6 %), so die Schätzung des BDSI. Der Export von Süßwaren ging nach den amtlichen Jahreszahlen des Statistischen Bundesamtes 2009 um 2,7 % in der Menge und 0,7 % im Wert zurück. Das laufende Jahr 2010 hat verhalten begonnen.


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