23.03.2016

Mineralölspuren in Lebensmitteln: Minimierungskonzept der deutschen Schokoladenindustrie zeigt Erfolge

Die Organisation foodwatch hat Osterhasen aus Schokolade untersuchen lassen. Dabei wurden teilweise Spuren von Mineralölbestandteilen (MOSH/MOAH) festgestellt. Die Forschung macht deutlich, dass solche Spuren auf verschiedensten Wegen in eine Vielzahl von Lebensmittel gelangen können, da sie überall in der Umwelt vorhanden sind. Diese Thematik ist also keineswegs neu und auch nicht schokoladenspezifisch. Eine Haupteintragsquelle sind Transportkartons aus Recyclingpappe, in denen Lebensmittel aller Art transportiert und gelagert werden.

Die Lebensmittelindustrie insgesamt ist für das Thema sensibilisiert, denn eine Vielzahl von Lebensmitteln aus unterschiedlichsten Bereichen ist betroffen, darunter viele Grundnahrungsmittel. Mineralölbestandteile finden sich aber auch wegen mineralölhaltigen Druckfarben in Zeitungen und Zeitschriften, ebenso z.B. in Kosmetika und vielen weiteren Produkten. Mittlerweile wurden intensive Forschungsinitiativen und Qualitätsmanagementmaßnahmen der gesamten Lebensmittelwirtschaft eingeleitet, die auf eine Intensivierung der Ursachenforschung und eine größtmögliche Verringerung von Mineralölspuren in Lebensmitteln abzielen. Hier gibt es gute Erfolge.

„Die aktuell getesteten Schokoladenosterhasen entsprechen dem strengen Lebensmittelrecht. Sie können unbedenklich gegessen werden, zumal sie an der Gesamternährung nur einen geringen Anteil haben und nur in der Osterzeit gegessen werden. Unabhängig davon führen der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) und die Schokoladenhersteller gemeinsam ein Forschungsprojekt durch, um die Ursachen von Mineralölspuren in Lebensmitteln aufzuklären und möglichst zu verringern oder ganz zu vermeiden“, sagt Klaus Reingen, Hauptgeschäftsführer des BDSI.

Die Unternehmen der Süßwarenindustrie ergreifen im Rahmen der so genannten „Guten Herstellungspraxis“ alle gebotenen Maßnahmen zur Verringerung von Mineralölspuren in Schokolade, auch wenn weder das europäische noch das deutsche Lebensmittelrecht hierfür einen Grenzwert vorsehen.

Einen wichtigen Eintragsweg entdeckte das Kantonale Labor in Zürich. So können Verpackungen aus Recycling-Karton wegen des dort verarbeiteten Altpapiers Mineralölbestandteile enthalten, die ausdünsten und so in Lebensmittel übergehen können. Ursprung dieser MOSH/MOAH-Bestandteile sind Druckfarben, wie sie üblicherweise beim Zeitungsdruck verwendet werden.

Laut Umweltbundesamt* werden jährlich mehr als 60.000 Tonnen Mineralöl in den europäischen Papierkreislauf eingetragen und könnten durch die Umstellung auf mineralölfreie Farben in Offset-Druckverfahren zu einem großen Teil vermieden werden. Daher sind die Transportkartons von Lebensmitteln, die aus Umweltschutzgründen aus recyceltem Altpapier hergestellt werden, eine Haupteintragsquelle. Auch wenn z. B. in Recycling-Kartons verpackte Waren benachbart zu Lebensmitteln gelagert werden, können aus ihnen Mineralölbestandteile in die Lebensmittel übergehen.

MOSH/MOAH kommen überall in der Umwelt vor. So ist eine umweltbedingte „Grundbelastung“ z. B. durch Verbrennungsprozesse gegeben (u. a. Abgase von Benzinmotoren, Emissionen aus Anlagen, Waldbrände und dergleichen). Weitere Einträge können durch Mittel zum Pflanzenschutz und zur Behandlung von Erntegut sowie Schmier- und Hydrauliköle aus Erntemaschinen und Produktionsanlagen erfolgen. Auch während des Transports und der Lagerung sowohl der Rohwaren als auch der Enderzeugnisse auf Handelsebene oder zu Hause beim Verbraucher können Mineralölbestandteile in Lebensmittel gelangen. Wegen der Komplexität bedarf es der gemeinsamen Anstrengung aller an der Lebensmittelkette Beteiligten.

Die Süßwarenindustrie kann die komplexe und schwierige Thematik allein nicht lösen, sondern alle an der Lebensmittelkette Beteiligten – vom Anbausektor über den Rohstoffhandel, das Transportwesen, die Lebensmittel- und Verpackungsindustrie, der Lebensmittelhandel, die Druckfarbenindustrie sowie die Zeitungsverlage müssen mitwirken.

* Quelle Umweltbundesamt: http://www.umweltbundesamt.de/presse/presseinformationen/mineraloelrueckstaende-in-adventskalendern-sind