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Interview Dr. Hermann Bühlbecker, Fa. Aachener Printen- und Schokoladenfabrik Henry Lambertz

Dr. Hermann Bühlbecker ist unbestritten der König der Printen. Als Geschäftsführender Gesellschafter der Aachener Printen- und Schokoladenfabrik Henry Lambertz GmbH & Co. KG versorgt Bühlbecker nicht nur deutsche Printenliebhaber mit dem Feingebäck. süsswaren sprach mit dem Vorsitzenden der Fachsparte Feine Backwaren über seine Tätigkeiten für den Verband, Marketingmaßnahmen und persönliche Ziele.

süsswaren:
Herr Dr. Bühlbecker, Sie sind Geschäftsführender Gesellschafter der Lambertz-Gruppe und gleichzeitig Vorsitzender der Fachsparte Feine Backwaren im Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e.V., Bonn. In der Branche gelten Sie als Lichtgestalt, die es versteht, sich und die Produkte der Lambertz-Gruppe durch aufwendige Aktionen in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dennoch weiß man wenig über die Person Bühlbecker. Klären Sie uns auf?

Dr. Bühlbecker:
Ich bin in Aachen aufgewachsen und zum Betriebswirtschaftstudium nach Süddeutschland gegangen. Obwohl mein Onkel, meine Tante und meine Mutter Gesellschafter bei Lambertz waren, war keineswegs vorgesehen, dass ich in das Unternehmen eintrete. Mein Studium habe ich mir mit Tennisspielen finanziert als Profispieler in der höchsten deutschen Spielklasse.
Heute bleibt nicht mehr viel Zeit für den Sport. Stattdessen sind wir als Sponsor aktiv. Meine Tennismannschaft Lambertz Aachen, in der sich eine ganze Reihe Spieler aus den Top 100 der Weltrangliste befinden, wurde dieses Jahr in der 1. Bundesliga deutscher Vizemeister. Wir veranstalten auch ein eigenes ATP-Turnier - die Lambertz Open - und engagieren uns im Fußball und Reitsport.
Ich bin im Beirat des Aachener Reitvereins. Im nächsten Jahr veranstalten wir das zweitgrößte Sportereignis in Deutschland - die Weltreiterspiele. Es verbleibt also nur wenig Freizeit, die ich jedoch gerne mit meiner neunjährigen Tochter verbringe.


süsswaren:
Die Lambertz-Gruppe betreibt kein klassisches Marketing in Form von beispielsweise kostenintensiven Anzeigenkampagnen in Funk, Fernsehen oder Print. Eher investieren Sie Geld, um Lambertz-Produkte mit Stars und Sternchen aus Politik, Sport und Kultur zu umgeben und sie damit im Gespräch zu halten. Welche Vorteile aus marketingtechnischer Sicht sehen Sie in diesem Vorgehen?

Dr. Bühlbecker:
Lambertz war früher Hoflieferant der Königshöfe von Preußen, Belgien und den Niederlanden. Die Firma hatte immer ein ausgesprochenes Premium-Image und hat mit der Printe einen deutschen Standard geschaffen. Wenn heute bedeutende Politiker - wie die amerikanischen Präsidenten Reagan, Clinton, Bush - unsere Produkte erhalten, dann setzen wir damit nur unsere Traditionen fort.
Wir unterstützen den besonderen Charakter unserer Produkte, indem wir mit ihnen bei besonderen nationalen und internationalen Anlässen vertreten sind. Der Firmenname ist so im Gespräch - auch ohne dass es dafür aufwendiger teurer Werbekampagnen bedarf.
Auch erhalten wir Sendezeiten im Fernsehen, indem wir über die Herstellungsweise unserer Produkte und die damit verbundenen Traditionen berichten.


süsswaren:
Als Vorsitzender der Fachsparte Feine Backwaren setzen Sie sich parallel zu Ihren zahllosen Aktivitäten für die Lambertz-Gruppe eben auch noch für die Belange der Fachsparten-Mitglieder ein. Welche Projekte aus Verbandssicht verfolgen Sie derzeit und wie bringen Sie die Doppelbelastung unter einen Hut?

Dr. Bühlbecker:
Sicherlich erfordert die Arbeit für die Fachsparte Feine Backwaren auch einen gewissen Zeitaufwand. Hierbei geht es in der Regel um eine Fülle von Einzelthemen, die für unsere Branche von Bedeutung sind. Sehr beschäftigt hat uns das Thema Acrylamid und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Verbraucher.
Auch die befürchteten Werbeeinschränkungen auf europäischer Ebene sind für uns ein Thema mit besonderer Priorität.
Es ist immer schwierig, den Zeitaufwand, den man für Aktivitäten außerhalb seines Unternehmens einsetzt, mit den Anforderungen der eigenen Firma in Einklang zu bringen. Jedoch muss man ab einer gewissen Unternehmensgröße auch erkennen, dass es eine Vielzahl von unternehmerischen Verantwortungen gibt, die weit über die Unternehmensgrenzen hinausragen.


süsswaren:
Die Lambertz-Gruppe hat ihr Produktportfolio in den letzten Jahren von einem überwiegend saisonal ausgerichteten Programm zu einem Ganzjahresprogramm umgestellt und das mit großem Erfolg. Wo sehen Sie derzeit das stärkste Wachstum im Programm der Lambertz-Gruppe und welche Trends erkennen Sie im Markt der Feinen Backwaren?

Dr. Bühlbecker:
Im Saisongeschäft sind wir heute vor allem mit den vier Marken Lambertz, Kinkartz, Weiss, Haeberlein Metzger auf dem Markt. Wir decken damit dieses Segment aus unserer Sicht umfassend ab. Wir sind froh, dass es uns parallel dazu gelungen ist, im Bereich der Firma Lambertz ein Sortiment mit Ganzjahresartikeln zu entwickeln, das heute mehr als die Hälfte unseres Umsatzes tätigt. Im Markt der Saisonartikel erkennen wir heute keine besonderen Wachstumspotentiale. Der Markt ist hier sehr konservativ strukturiert und logischerweise zeitlich begrenzt. Der Verbraucher isst diese Produkte schon deshalb gerne, weil sie für ihn Vorboten des Weihnachtsfestes sind und er sie über viele Monate nicht erwerben konnte. Die Jahresartikel haben einen Lebenszyklus und folgen auch Trends. Hier gibt es immer gute Möglichkeiten, mit Innovationen den Markt nach vorne zu treiben. Direkte Trends sehe ich im Moment nicht, jedoch ist gesunde Ernährung immer ein Thema, vor allem dann, wenn die Produkte zusätzlich gut schmecken und zu einem attraktiven Preis angeboten werden.


süsswaren:
Zum Schluss die Frage, welche Ziele Sie sich in absehbarer Zeit für die Lambertz-Gruppe, die Fachsparte Feine Backwaren und für sich persönlich stecken?

Dr. Bühlbecker:
Für die Fachsparte wünsche ich mir, dass wir die nach wie vor vorhandene Vielfalt von ca. 100 Herstellern erhalten können. Die weiterhin mittelständische Strukturierung ist etwas ganz Besonderes verglichen mit vielen anderen Branchen. Wenn es den Unternehmen gelingt, vernünftige Preise am Markt zu realisieren, brauchen wir uns um die Feinen Backwaren keine Sorgen zu machen. Was die Lambertz Gruppe betrifft, so freuen wir uns, wenn wir uns vorsichtig weiter entwickeln können, wohl wissend, dass der Markt kaum Spielraum für große Wachstumsschübe gibt.
Ich persönlich wäre froh, wenn es mir gelänge, den Anteil der mir verbleibenden Freizeit etwas auszuweiten.

süsswaren: Wir danken für das Gespräch.
Erschienen in Zeitschrift süsswaren 12/2005

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