Süßwarenkonsum ist nicht verantwortlich für Übergewicht
Die Position des BDSI kurz gefasst:
- Der Konsum von Süßwaren ist erwiesenermaßen nicht für die Entstehung von Übergewicht verantwortlich.
- Übergewicht hat viele Ursachen - Lösungsansätze müssen alle Einflussfaktoren berücksichtigen.
- Eine Fokussierung auf die Ernährung oder gar das Verbot des Verzehrs einzelner Lebensmittel ist der falsche Weg; eine positive Anleitung zu einem gesunden Lebensstil ist erfolgversprechender.
- Lebensmittelkennzeichnung ist nur ein Mosaiksteinchen bei der Vermeidung von Übergewicht und nur hilfreich, wenn sie wissenschaftsbasiert und transparent ist.
- Die Süßwarenindustrie bietet Produkte für unterschiedlichste Bedürfnisse und in den unterschiedlichsten Portionsgrößen an.
- Mit der deutschen Plattform Ernährung und Bewegung (peb) wurde zu Recht ein integrierter Weg bei der Prävention von Übergewicht eingeschlagen.
- Der BDSI nimmt seine Verantwortung wahr und unterstützt peb als aktives Mitglied.
Der Konsum von Süßwaren ist erwiesenermaßen nicht für die Entstehung von Übergewicht verantwortlich.
Die Bedeutung der Ernährung insgesamt und speziell die des Süßwarenkonsums wird als Ursache für die Entstehung von Übergewicht weit überschätzt. Groß angelegte Studien zum Ernährungsverhalten von Kindern in Deutschland belegen, dass sowohl das Ernährungsmuster als auch der Verzehr einzelner Lebensmittel (wie z. B. Süßwaren) kaum Beziehungen zum Ernährungszustand zeigen (Müller, 2000, Müller, 2003, Koletzko et al., 2000, Koletzko, 2003).
Es stellte sich sogar heraus, dass übergewichtige Kinder seltener Süßwaren und nicht mehr Kartoffelchips essen als normalgewichtige (Müller, 2000) und es insgesamt wenig Unterschiede in der Lebensmittelauswahl gibt (Danielzik et al., 2004). Das bekräftigt eine international angelegte Studie, die zeigt, dass in 31 von 34 Ländern eine negative Beziehung zwischen dem Body Mass Index (BMI) und dem Süßigkeitenverzehr besteht (Janssen et al., 2005), d. h. bei Menschen mit hohem BMI war der Süßwarenverzehr niedrig und umgekehrt.
Ebenso ist eine vermutete Verbindung zwischen Fruktosekonsum und Übergewicht laut einer aktuellen Auswertung der Fachliteratur wissenschaftlich nicht belegt (Hauner, 2009).
Auch die Nationale Verzehrsstudie II (NVS II) der Bundesregierung aus dem Jahr 2008 bestätigt, dass Süßwaren als Energiequelle eine untergeordnete Rolle spielen: Über klassische Süßigkeiten wie Schokoladen- und Zuckerwaren nehmen Frauen durchschnittlich nur 4 Prozent und Männer nur gut 3 Prozent ihrer Energie auf. Ferner entspricht die mediane Energiezufuhr bei Erwachsenen den Richtwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für eine Energiezufuhr bei geringer körperlicher Aktivität (Max Rubner-Institut, 2008).
Übergewicht hat viele Ursachen -
Lösungsansätze müssen alle Einflussfaktoren berücksichtigen.
An der Entstehung von Übergewicht - so belegt es die Wissenschaft - sind viele Faktoren beteiligt. Entsprechend ganzheitlich müssen Lösungsansätze sein, um Veränderungen bei allen Lebensstilfaktoren herbeizuführen.
In Übereinstimmung mit der vorherrschenden wissenschaftlichen Meinung und den vorliegenden Fakten fordert der BDSI eine Abkehr von eindimensionalen Betrachtungsweisen. Weder die Ernährung allein noch der Konsum einzelner Lebensmittel oder gar die Aufnahme bestimmter Nährstoffe sind für die Entstehung von Übergewicht verantwortlich zu machen.
Langjährige Beobachtungen der Ernährung von Kindern in Deutschland zeigen, dass diese heute nicht mehr Energie (Kalorien) zu sich nehmen als vor rund 20 Jahren (Kersting et al., 2004). Aber: In dieser Zeit ist aus unserer Bewegungs- eine Sitzwelt geworden, d. h. auch bei Kindern ist der Kalorienverbrauch durch körperliche Aktivität gesunken (Bös, 2005).
Eine Fokussierung auf die Ernährung oder gar das Verbot des Verzehrs einzelner Lebensmittel ist der falsche Weg; eine positive Anleitung zu einem gesunden Lebensstil ist erfolgversprechender.
Nur eine motivierende Lebensstilberatung kann Menschen auf dem Weg zu einem gesundheitsbewussten Lebensstil begleiten. Sie sollte positive Sinneserfahrungen, z. B. auch das bewusste Genießen von Süßwaren und Knabberartikeln, einschließen, denn nur dann lässt sich eine gesunde Lebensweise dauerhaft einhalten. Der BDSI fordert eine Abkehr von rigiden Vorgaben oder gar Verzehrsverboten, denn sie wirken kontraproduktiv und können sogar Essstörungen Vorschub leisten. Die Einteilung der Lebensmittel in vermeintlich gute und schlechte entbehrt jeder Grundlage. Es kommt immer auf die Verzehrsmenge, also das richtige Maß, und auf die Ausgewogenheit der gesamten Lebensmittelauswahl an.
Lebensmittelkennzeichnung ist nur ein Mosaiksteinchen bei der Vermeidung von Übergewicht und nur hilfreich, wenn sie wissenschaftsbasiert und transparent ist.
Die Lebensmittelkennzeichnung spielt bei der Vermeidung von Übergewicht nur eine untergeordnete Rolle. Kennzeichnung macht nicht schlank. Sie kann interessierten Verbrauchern aber eine Orientierung bei der Kaufentscheidung geben. Sie ist jedoch nur dann hilfreich, wenn sie transparent ist und nicht wertet, sondern über Fakten informiert. Die Süßwarenindustrie unterstützt daher das GDA-Modell (GDA = Guideline Daily Amount/ Richtwert für die Tageszufuhr).
Die Süßwarenindustrie bietet Produkte für unterschiedlichste Bedürfnisse und in den unterschiedlichsten Portionsgrößen an.
Die Süßwarenindustrie bietet Verbrauchern hinsichtlich Rezeptur und Packungsgrößen eine Produktauswahl für unterschiedlichste Bedürfnisse an
z. B. zuckerhaltige und zuckerfreie Bonbons oder fettarme Kartoffelchips. Gerade Süßwaren sind in den unterschiedlichsten Verpackungsgrößen erhältlich, vom Mini- über den Einzelriegel bis hin zur Großpackung.
Mit der deutschen Plattform Ernährung und Bewegung (peb) wurde zu Recht ein integrierter Weg bei der Prävention von Übergewicht eingeschlagen.
Die entscheidenden Akteure aus Politik, Wirtschaft, Sport, Elternschaft und Ärzten sowie die Gewerkschaft Nahrung - Genuss - Gaststätten bilden mit peb das europaweit größte Netzwerk zur Vorbeugung von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen. peb entwickelt auf wissenschaftlicher Basis handlungsorientierte Lösungen, die mit einer Vielzahl von Partnern und Projekten umgesetzt werden.
Ferner muss peb nach Ansicht des BDSI im Rahmen von "IN FORM - Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung", dem Ende 2008 von der Bundesregierung vorgestellten Nationalen Aktionsplan, eine zentrale Funktion als Kompetenzzentrum und Vernetzungsplattform bei der Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen zukommen.
Der BDSI nimmt seine Verantwortung wahr und unterstützt peb als aktives
Mitglied.
Der BDSI und viele seiner Mitglieder engagieren sich seit der Gründung bei peb für ein gesundheitsbewusstes Essverhalten, für mehr Bewegung und Entspannung als wesentliche Bestandteile eines gesunden Lebensstils. Außerdem steht die Süßwarenindustrie seit vielen Jahren im engen Dialog mit Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen und gibt zahlreiche Informationsmaterialien für Verbraucher, Ernährungsberater und andere interessierte Gruppen heraus.
Literaturverzeichnis
Bös K (2005): Motorische Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen - Deutliche Abnahme von Bewegung im Alltag. In: Moderne Ernährung heute. Wissenschaftlicher Pressedienst 1/2005, Hrsg. R. Matissek, Lebensmittelchemisches Institut (LCI) des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie, Köln
Danielzik S. et al. (2004): Parental overweight, socioeconomic status and high birth weight are the major determinants of overweight and obesity in 5-7 y-old children: baseline data of the Kiel Obesity Prevention Study (KOPS); Int J Obesity 28: S. 1494-1502
Hauner H. (2009): Fruktosezufuhr als Ursache für Übergewicht nicht belegt. In: Moderne Ernährung heute. Wissenschaftlicher Pressedienst 2/2009, Hrsg. R. Matissek, Lebensmittelchemisches Institut (LCI) des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie, Köln
Janssen I. et al. (2005): The Health Behaviour in School-Aged Children Obesity Working Group: Comparison of overweight and obesity prevalence in school-aged youth from 34 countries and their relationships with physical activity and dietary patterns. Obesity Reviews 6: S. 123-132
Kersting, M. et al. (2004): Kinderernährung in Deutschland. Ergebnisse der DONALD-Studie. Bundesgesundheitsblatt Vol. 47, H. 3: S. 213-219
Koletzko B. et al. (2000): Dietary fat intake in infants and primary school children in Germany. In: The American Journal of Clinical Nutrition 72, S. 1392-1398
Koletzko B. (2003): Ernährung im Kindesalter: Wie kann Übergewicht vorgebeugt werden? Kongress "Kinder leicht. Besser essen. Mehr bewegen." des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, Juli 2003, Berlin
Max Rubner-Institut Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, Hrsg. (2008): Nationale Verzehrsstudie II, Ergebnisbericht Teil 2, S. 49-51 und S. 92-93
Müller MJ. (2000): Neue Studie belegt: Naschen führt nicht zu Übergewicht bei Kindern. In: Moderne Ernährung heute. Wissenschaftlicher Pressedienst 2/2000, Hrsg. R. Matissek, Lebensmittelchemisches Institut (LCI) des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie, Köln
Müller MJ. (2003): Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen - Ursachen und Möglichkeiten der Prävention. Kieler Adipositas-Studie in: BLL: In Sachen Lebensmittel. Jahrestagung 2003. Ansprachen und Vorträge: S. 28-64
Mehr Informationen bez. der Positionen des BDSI siehe
http://www.bdsi.de/de/positionen_themen
BDSI, 10.09.2010