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Pressemeldung



Wirtschaft und Produktion

26.01.2010:

Süßwarenindustrie - Trotz Krise nur leichter Rückgang im Jahr 2009

Die deutsche Süßwarenindustrie hat sich trotz der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2009 relativ gut behaupten können. Die Produktion von Süßwaren ging nach Schätzungen des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie e.V. (BDSI) im Jahr 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 % auf 3,57 Mio. t. zurück. Wertmäßig fiel sie um 0,6 % auf 12,2 Mrd.Éuro.

Erstmals seit Jahren wurden weniger Süßwaren ausgeführt
(-0,4 %), wertmäßig nahmen die Exporte leicht um 0,5 % zu. Die Deutschen gönnten sich in Krisenzeiten etwas weniger Süßes als im Vorjahr.

Sorge bereitet der Branche vor allem der auch durch Spekulationen in die Höhe getriebene Preis für den wichtigen Rohstoff Kakao zum Einen und die Niedrigpreise für Endprodukte durch den scharfen Wettbewerb im deutschen Lebensmitteleinzelhandel zum Anderen.

Während die deutsche Ernährungsindustrie insgesamt für 2009 mit einem Umsatzrückgang um 4 % rechnet, hielt sich die Süßwarenindustrie relativ stabil. "Wir sind im Vergleich mit anderen Branchen - auch im Ernährungsbereich - bisher mit einem blauen Auge davon gekommen und hoffen, dass dies so bleibt," konstatiert Tobias Bachmüller, Stellvertretender Vorsitzender des BDSI und Vorsitzender des Arbeitskreises Internationale Süßwarenmesse (AISM).

Unterschiedliche Branchenentwicklungen
Gewinner in der Krise waren die Hersteller von Knabberartikeln, die nach einem etwas schwächerem Jahr 2008 wieder zulegen konnten. Die Produktionsmenge von Knabberartikeln stieg nach Schätzungen des BDSI um 1,8 %, der Wert sogar um 8,4 %. Der Trend in der Krise zum "Cocooning", dem "Sich-zuhause-Einigeln" und dem Naschen daheim dürfte den Knabberartikeln zu Gute gekommen sein.

Dagegen konnte selbst das Weihnachtsgeschäft nicht mehr dafür sorgen, dass 2009 für die Hersteller von Schokolade, Schokoladewaren und Feinen Backwaren positiv ausfiel. Die Produktion von Schokolade und Schokoladewaren ging in der Menge um 3 % und im Wert um 1,1 % zurück. Bei den Herstellern von Feinen Backwaren fielen die Rückgänge sogar noch deutlicher aus. Im Jahr 2009 wurden nach BDSI-Schätzungen 3,3 % weniger Feine Backwaren als im Vorjahr produziert, der Wert ging um 1 % zurück. Beide Bereiche sehen mit Sorge das auch spekulativ getriebene Allzeithoch beim Rohstoff Kakao, das derzeit bei 2.600 Euro/t liegt. Diese Entwicklung passt mit der rückläufigen Nachfrage bei Endverbraucherprodukten weltweit nicht mehr zusammen.

Die Produktion von Zuckerwaren ging in der Menge um 2,1 % und im Wert um 1,3 % zurück.

Starker Euro und fehlende Kreditversicherungen erschweren Export
Deutschland will in diesem Jahr nicht nur Fußballweltmeister werden, sondern Süßwarenexportweltmeister bleiben. Über 40 % der Produkte gehen in den Export. Nach Schätzungen des BDSI gingen 2009 die Exporte mengenmäßig zum ersten Mal seit Jahren leicht zurück. Wertmäßig stiegen die Ausfuhren aber immerhin noch um 0,5 % auf 4,7 Mrd. Euro. Hier wirkt sich die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise aus. Deutsche Süßwaren und Knabberartikel waren angesichts der Stärke des Euro und der Wechselkursverschiebungen in wichtigen Exportmärkten teilweise kaum noch konkurrenzfähig. Besonders waren Russland und Ungarn betroffen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die für den Export unverzichtbaren Kreditversicherungen seit Mitte 2009 für viele Länder nicht mehr gewährt werden. Jeder Hersteller muss genau überlegen, ob er langjährige Exportkunden noch beliefert. "Ohne Exportkreditversicherung ist für uns der Export ein unkalkulierbares Risiko", so Bachmüller. "Hier ist die Politik gefordert."

Die Politik ist auch gefragt bei den rechtlichen Rahmenbedingungen. Der BDSI fordert insbesondere, dass die EU-Kommission das Projekt Nährwertprofile, mit denen "Lebensmittelsteckbriefe" erstellt werden sollen, ad acta legt. Sie sind wissenschaftlich nicht haltbar und belasten die meist mittelständischen Hersteller besonders. Die Branche setzt auf den mündigen Verbraucher statt auf Verbraucherbevormundung.

Ungewisse Aussichten für 2010
Das Jahr 2010 wird angesichts der angespannten Rohstoffsituation, des weiter anhaltenden Preiskampfes im deutschen Lebensmitteleinzelhandel und der überbürokratischen rechtlichen Rahmenbedingungen aus Brüssel ein Jahr mit vielen Ungewissheiten für die deutsche Süßwarenindustrie. Sie hofft, dass die Konsumlaune der Deutschen trotz möglicherweise steigender Arbeitslosenzahlen anhält. Absatzimpulse erhofft sich die Branche von der Fußballweltmeisterschaft.

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