Die Position des BDSI kurz gefasst:
- Missbräuchliche Kinderarbeit ist gänzlich inakzeptabel.
- Kinderarbeit trägt in Westafrika zum Einkommen der Familien bei und kann nur dann gerechtfertigt werden, wenn Schulbesuch, ausreichende Ernährung und Gesundheitsversorgung gewährleistet sind und die Kinder keine gefährlichen Tätigkeiten ausüben. Zusätzlich soll die ivorische Gesellschaft für das Thema Kinderarbeit sensibilisiert werden.
- Der BDSI fördert zusammen mit internationalen Verbänden und Initiativen Projekte, die die Schulbildung von Kindern und die Ausbildung von Farmern ermöglichen.
Missbräuchliche Kinderarbeit ist gänzlich inakzeptabel.
Es ist uns bewusst und bekannt, dass missbräuchliche Kinderarbeit in Westafrika besonders an der Elfenbeinküste stattfindet. Diese Verhältnisse sind für uns gänzlich inakzeptabel. Sie sind auch nicht typisch für den Kakaoanbau an sich, sondern werden vor allem in Westafrika angetroffen. Besonders erschreckend ist die Tatsache, dass es in den Ländern Mali und Burkina Faso nicht nur vereinzelt vorkommt, dass Kinder verkauft werden, um das Notwendigste des täglichen Bedarfs zu decken. Speziell diesen Missständen in den Nachbarländern der Hauptkakaoanbauländer Côte d’Ivoire und Ghana steht die Industrie ebenso hilflos wie machtlos gegenüber.
Kinderarbeit trägt in Westafrika zum Einkommen der Familien bei und kann nur dann gerechtfertigt werden, wenn Schulbesuch, ausreichende Ernährung und Gesundheitsversorgung gewährleistet sind und die Kinder keine gefährlichen Tätigkeiten ausüben. Zusätzlich soll die ivorische Gesellschaft für das Thema Kinderarbeit sensibilisiert werden.
Kinderarbeit zu beenden bedeutet, in traditionelle Strukturen bäuerlicher Landwirtschaft in Westafrika einzugreifen, die seit Generationen so oder in ähnlicher Form praktiziert wird. Die Mitarbeit von Kindern in bäuerlichen Farmbetrieben ist in afrikanischen Ländern Teil des Sozialisationsprozesses und trägt mit zum Lebensunterhalt der Familien bei. Sie kann nur dann gebilligt werden, wenn die Kinder keine gefährlichen Tätigkeiten ausüben und die Möglichkeit zum Schulbesuch, ausreichender Ernährung und Gesundheitsversorgung haben.
Kindersklaverei und Kinderhandel stehen auch in Westafrika unter Strafe und werden polizeilich verfolgt. Dennoch ist Kinderarbeit in der ivorischen Gesellschaft keineswegs geächtet. Das bedeutet leider auch, dass die Sensibilität der ivorischen Gesellschaft, missbräuchliche Kinderarbeit anzuzeigen, kaum vorhanden ist. Das Bewusstsein für diese Problematik ist weiter zu stärken.
Der BDSI fördert zusammen mit internationalen Verbänden und Initiativen Projekte, die die Schulbildung von Kindern und die Ausbildung von Farmern ermöglichen.
Missbräuchliche Kinderarbeit auf Kakaoplantagen an der Elfenbeinküste ist erstmalig im Jahr 2001 in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Die aufgedeckten Missstände waren auch für die nationale und internationale Kakao- und Schokoladenwirtschaft schockierend und sie hat sich sofort zu ihrer Mitverantwortung bekannt. Seither unterstützt sie eine Fülle von Maßnahmen zur Verbesserung der sozialen und agroökonomischen Bedingungen in den westafrikanischen Kakaoanbauregionen.
Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) fördert über die "Stiftung der Deutschen Kakao- und Schokoladenwirtschaft" Projekte vor Ort, etwa die Bildung von Kooperativen, sowie die Schulung von Farmern in der Côte d’Ivoire im Rahmen einer Zusammenarbeit mit der GTZ.
Auf internationaler Ebene wurde auf Betreiben der großen weltweit aktiven Konzerne der Kakao- und Schokoladenwirtschaft die "World Cocoa Foundation" (WCF) und die "International Cocoa Initiative" (ICI) gegründet.
Die WCF unterstützt die Kakaobauern durch Farmer Field Schools. Durch diese praktische Schulung vor Ort und die Verbesserung in der Kultivierung des Kakaoanbaus wird eine deutliche Ertrags- und Qualitätssteigerung erreicht. Farmer, die an diesen Schulungen teilgenommen haben, ernten zur Zeit 20 % mehr Kakao, in einigen Fällen konnte der Ertrag sogar um 55 % gesteigert werden. Das führt naturgemäß zu höheren Einkommen.
Die ICI arbeitet in der ganzen Region, um die Dorfgemeinschaften, in denen Kakao angebaut wird, für die schlimmsten Formen der Kinderarbeit zu sensibilisieren. Dies geschieht, indem zunächst Vertrauensleute installiert werden, die den Dialog mit den Farmern über die Gefahren der Arbeit auf Kakaoanpflanzungen für Kinder führen. Das ist ein wesentliches Element, um einen Bewusstseinswandel in der Gesellschaft zu erreichen und durch Selbstkontrolle und gemeinschaftsbasiert möglichst viele Farmer zu erreichen.
Gemeinsam mit einer Vielzahl nationaler und internationaler Verbände haben diese Einrichtungen in den letzten zehn Jahren beachtliche Erfolge verzeichnen können. Erfolge, die auch mit Hilfe politischer Einflussnahme durch Regierungen und Ministerien zustande kamen. Nur so waren die Regierungen z. B. von Ghana und der Elfenbeinküste dazu zu bewegen, missbräuchliche Kinderarbeit unter Strafe zu stellen. Hier ist auf die Economic Partnership Agreements (EPAs) der EU mit 77 afrikanischen, mittel- und südamerikanischen sowie pazifischen Staaten hinzuweisen, in denen sich alle zu den von der International Labor Organisation (ILO) festgelegten Arbeitsbedingungen bekannt haben. Darin sind das Mindestalter von Arbeitnehmern sowie Verbote von missbräuchlicher Kinderarbeit ausdrücklich erwähnt. Leider sind die EPAs noch nicht in allen westafrikanischen Staaten ratifiziert.
Neben diesem gesellschaftlichen Einsatz durch die Verbände sind es die Industriebetriebe, die vor Ort daran arbeiten, die Verhältnisse zu verbessern. Kooperationen finden mit den Zertifizierern Rainforest Alliance, utz certified und Organic sowie dem Handelshaus transfair statt.
Da die Politik und die Ordnungskräfte in der Elfenbeinküste nicht als zuverlässig angesehen werden können, setzen einzelne Industriebetriebe in Zusammenhang mit den Zertifizierungsprojekten Kontrolleure aus den Verarbeitungsländern ein, um die aus den Kooperativen berufenen Kontrolleure bei ihrer Arbeit zu unterstützen.
All diese Maßnahmen haben dazu geführt, dass die missbräuchliche Kinderarbeit zwar deutlich zurückgegangen ist, für die Kakao- und Schokolade ver-arbeitende Industrie allerdings auch weiterhin ein zu bekämpfender Missstand sein wird.
Mehr Informationen bez. der Positionen des BDSI siehe
http://www.bdsi.de/de/positionen_themen
BDSI, 01.10.2010